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Jola Grün-Schüler, 1. Vorsitzende
Jahnstraße 10
56412 Nentershausen
Tel: 06485-911696
j.gruen@sternwarte-diez.de

Parallaktische Montierung für Kleinteleskope

Bauplan

Die parallaktische Montierung ist ein Zusatzteil, mit dem das längere Beobachten eines bestimmten Objektes noch vereinfacht werden kann.

Das Problem ist folgendes: Durch die Drehung der Erde scheinen die Sterne genau wie die Sonne (ist ja auch bloß ein Stern!) in Kreisbögen über den Himmel zu wandern. Wer also sein Teleskop auf ein Beobachtungsobjekt richtet, wird sehr bald merken, daß dieses von ganz allein aus dem Blickfeld auswandert. Dieser Effekt wird mit zunehmender Vergrößerung, also engerem Blickwinkel, noch weiter verstärkt. Man muß zum Beispiel bei einem südöstlichen Objekt das Teleskop erstens etwas aufrichten und zweitens etwas nach rechts schwenken. Es ist also eine Drehung um zwei Achsen erforderlich.

Gelingt es uns nun, die eine Achse (wir sagen Polachse) parallel zur Erdachse, also auf den Himmelspol, auszurichten, dann brauchen wir die zweiachsige Bewegung nur noch zum ersten Einstellen des Objektes. Zum weiteren Beobachten braucht dann das Teleskop nur noch um die Polachse gedreht zu werden.

Unsere einfache parallaktische Montierung basteln wir uns wieder mit einfachsten Mitteln und Werkzeugen wie sie jeder Heimwerker zu Hause hat.

Benötigt wird folgendes Material:

  1. zwei Vierkanthölzer 58 x 58 x 80 oder 100
  2. eine Gewindestange M10
  3. mindestens vier Unterlegscheiben 10,5 x 30
  4. vier Flügelmuttern M10
  5. evtl. eine Druckfeder mit mind. 10 mm Innendurchmesser

An Werkzeug brauchen wir:

  1. Feinsäge mit Schneidlade oder besser eine Gährungssäge
  2. Elektrobohrmaschine mit Tischgestell
  3. Holzbohrer 10 mm
  4. HSS-Bohrer, 3 mm, 5,5 mm oder 5,1 mm, 8,5 mm
  5. ggf. ein Gewindebohrer UNC 1/4'' und M10
  6. Maschinenschraubstock für Tischgestell
  7. Haushaltssäge mit Metallblatt
  8. Feile
  9. Nagel 2,5 x 60 bis 80 mm

1. Schritt:
Die Vierkanthölzer werden sorgfälltig rechtwinklig abgesägt. Sie sollen so lang sein, daß sie mit dem Bohrer in einem Arbeitsgang der länge nach durchbohrt werden können.

2. Schritt
Beide Hölzer werden genau in der Mitte der Länge nach senkrecht durchbohrt (10 mm- Holzbohrer) Dazu müssen sie sorgfälltig in den Schraubstock gespannt werden, damit der Bohrer nicht schief läuft!

3. Schritt
Eines der Kanthölzer erhält auf einer Seite eine etwa 20 mm tiefe, senkrechte Bohrung von 8,5 mm Durchmesser. Das andere Kantholz erhält seitlich, etwa in der Mitte, so wie es für das Fotostativ erforderlich ist, senkrecht eine Bohrung von 5,5 mm Durchmessert. Der Durchmesser des Loches ist etwas kleiner als die Schraube des Stativs dick ist (1/4'' => ca 6,3 mm). Nun versucht man vorsichtig die Stativschraube in das Bohrloch hineinzudrehen. Bei weichen Hölzern wie Kiefer entsteht im Holz ein Gewinde, bei harten Hölzern wie Buche müssen ggf. mit einem Gewindebohrer die Gewindegänge in das Holz geschnitten werden. In diesem Fall ist mit einem 5,1 mm-Bohrer vorzubohren. (Dies gilt natürlich auch für die 8,5 mm-Bohrungen, auch sie sollten, sofern vorhanden, mit einem M10-Gewindebohrer bearbeitet werden.)

4. Schritt
Unser Stativadapter erhält in der Mitte, neben der Bohrung für den Stativanschluß eine weiter Bohrung von 8,5 mm Durchmesser. (ggf mit M10-Gewinde, dieses aber nicht ganz einbohren!)

5. Schritt
Von der Gewindestange schneiden wir ein Stück von etwa 150 mm und ein Stück von etwa 400 bis 500 mm ab. Jeweils ein Ende der beiden Stangen wird spitz angefeilt, am anderen Ende nur die Schnittkante glatt gefeilt. An diesem Ende bohren wir ein ein 3 mm-Loch quer durch die Stange. So, nun kann unsere Montierung zusammengebaut werden.

Ansicht der parall. Montierung Eine der Flügelmuttern wird, mit den Flügeln zuerst, etwa 12 cm von der angespitzten Seite her auf die längere Gewindestange aufgeschraubt. Auf die angespitzte Seite der Gewindestange kommt dann eine der Unterlegscheiben und das Vierkantholz mit der seitlichen 8,5 mm-Bohrung. Jetzt wieder eine Unterlegscheibe. Nun wird vorsichtig versucht die Spitze der Gewindestange in die 8,5 mm-Bohrung des Stativadapters hineinzuschrauben. Damit die Stange auch wirklich senkrecht zu sitzen kommt, wird die Spitze in die Bohrung gesetz und dann das Vierkantholz auf den Stativadapter gedrückt. Das Vierkantholz dient dann als Führung für die Gewindestange. Damit wir die Stange überhaupt in das Holz eindrehen können, stecken wir den Nagel quer durch die 3 mm-Bohrung am stumpfen Ende der Stange. Er kann dann gut als Drehgriff dienen.

Genau so wird anschließend das zweite Vierkantholz an dem ersten montiert. Auf die Stumpfe Seite der Gewindestange kommt, diesmal richtig rum, die Flügelmutter, und zwar so weit, daß der Nagel durch die 3 mm-Bohrung gesteckt werden kann. Von der spitzen Seite her folgt dann die Feder, eine Unterlegscheibe, das Vierkantholz und wieder eine Unterlegscheibe. Genau wie vorher wird nun die Gewindestange mit der Spitze in die 8,5 mm-Bohrung des ersten Vierkantholzes eingeschraubt.

Nun ist unsere parallaktische Montierung fertig, wir können sie auf das Fotostativ aufschrauben und unser Kleinteleskop am Stativadapter befestigen. Durch Schwenken des Stativkopfes kann nun die Polachse unserer Montierung auf den Polstern gerichtet werden. Dann werden die Schrauben des Stativkopfes fest angezogen, so daß die Polachse nicht mehr verrutscht. Um nun z. B. einen Stern einzustellen müssen beide Flügelmuttern gelöst sein. Das Fernrohr kann dann um beide Achsen der Montierung gedreht werden. Ist der Stern eingestellt, wird die Flügelmutter der Querachse, wir nennen sie Deklinationsachse, leicht angezogen, daß sich das Fernrohr um diese Achse nicht mehr bewegen kann. Die Flügelmutter der Polachse wird nur so leicht angezogen, daß das Fernrohr nicht mehr von alleine verrutscht aber noch von Hand leicht nachgeführt werden kann.

Da das Teleskop und die auf der anderen Seite der Montierung herausragende Gewindestange wie bei einer Waage möglichst im Gleichgewicht sein sollen, ist es unter Umständen notwendig an der Gewindestange ein zusätzliches Gegengewicht zu befestigen. Das kann ganz leicht mit Hilfe der zwei weiteren Flügelmuttern und einiger großer Unterlegscheiben oder eines schweren Holzklotzes geschehen. Durch Verstellen der Flügelmuttern kann das Gegengewicht stufenlos verschoben und die Montierung ausbalanciert werden.

Zur Zeit bin ich dabei, das nötige Material für den Stativadapter und die Montierung als vorbereiteten Bausatz für weitere Astro-Kurse oder für Vereinsmitglieder zusammenstellen. Wer daran Interesse hat, kann sich gerne per eMail mit mir in Verbindung setzten.

So, und nun viel Spaß beim Beobachten!

Stephan Grün, 28.01.1999


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